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Blutwerte beim Windhund: Was ist normal & was nicht?

  • 20. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Stunden




Dass Windhunde und Podencos ganz besonders sind, liegt nicht nur an ihrer eleganten Erscheinung und ihrem sanften Wesen: Auch medizinisch gibt es bei Windhunden einige Besonderheiten, die man kennen sollte. Dazu gehören bestimmte Blutwerte und die Narkose.

Viele Tierärzte, die wenig Erfahrung mit Windhunden haben, sind zunächst irritiert, wenn sie ein Blutbild eines Greyhounds, Galgos oder anderen Windhundes sehen: eine hohe Zahl roter Blutkörperchen, ein hoher Hämatokrit oder vermeintlich zu niedrige Thrombozyten? Das kann durchaus rassetypisch sein.

Deshalb möchte ich dir zeigen, welche Blutwerte beim Windhund häufig anders aussehen als bei anderen Hunden, worauf man achten sollte und warum windhundspezifische Referenzwerte bei der Beurteilung wichtig sind.


1. Warum Blutbilder bei Windhunden oft „auffällig“ wirken

Windhunde wurden über Generationen auf Schnelligkeit, Ausdauer und körperliche Leistung selektiert. Diese besonderen physiologischen Anpassungen zeigen sich auch im Blutbild.

Standard-Referenzwerte für Hunde sind deshalb nicht immer direkt auf Windhunde übertragbar.


Bei Greyhounds findet man unter anderem häufig:

  • deutlich niedrigere Schilddrüsenhormon-Konzentrationen (T4)


  • höhere Kreatininwerte


  • höhere Aktivitäten bestimmter Leber- und Muskelenzyme


  • niedrigere Protein- und Globulinkonzentrationen


  • deutlich höhere Hämatokritwerte


  • niedrigere Leukozytenwerte


  • niedrigere Thrombozytenzahlen


Diese Besonderheiten sind wissenschaftlich gut beschrieben. Auch beim Galgo Español wurden höhere Hämatokrit-, Hämoglobin- und Erythrozytenwerte sowie niedrigere Thrombozytenzahlen als bei anderen Hunden festgestellt.

Ein Blutbild, das bei einem Labrador auffällig wäre, muss bei einem Greyhound oder Galgo deshalb noch lange keinen Krankheitswert haben.


2. Blutwerte beim Windhund: Was gilt als normal?

Die folgenden Werte dienen als Orientierung für gesunde Greyhounds. Sie sind keine universellen Normwerte für alle Windhundrassen. Je nach Rasse, Alter, Geschlecht, Labor und Messmethode können die Referenzbereiche abweichen.

Parameter

Üblicher Hund

Typischer Greyhound-Bereich

Besonderheit

Hämatokrit (HKT)

35–50 %

ca. 45–65 % und höher

deutlich höher möglich

Hämoglobin (Hb)

12–18 g/dl

ca. 18–21 g/dl

häufig erhöht

Erythrozyten

5,5–8,5 Mio./µl

ca. 7,4–9,0 Mio./µl

höhere Erythrozytenmasse

Leukozyten (WBC)

4.000–15.000/µl

ca. 3.500–6.500/µl

häufig niedriger

Thrombozyten

150.000–500.000/µl

häufig ca. 80.000–120.000/µl

oft rassetypisch niedriger

Kreatinin

< 1,4 mg/dl

häufig höher

Muskelmasse spielt eine Rolle

Gesamtprotein

5,5–7,3 g/dl

ca. 4,5–6,5 g/dl

häufig niedriger

Die genauen Referenzbereiche hängen allerdings auch vom verwendeten Labor und Analysegerät ab. Für Greyhounds wurden deshalb eigene Referenzintervalle entwickelt.


WICHTIG

Die Tabelle bezieht sich vor allem auf Greyhounds. Für Galgos, Whippets und andere Windhundrassen können andere Bereiche gelten. Für einen Galgo aus dem Tierschutz sollte das Blutbild deshalb nicht automatisch nach Greyhound-Werten interpretiert werden.


3. Wie spreche ich das beim Tierarzt an?

Du musst kein Veterinärmedizinstudium absolvieren. Ein bisschen Vorbereitung kann aber helfen, damit ein ungewöhnliches Blutbild nicht vorschnell als krankhaft interpretiert wird.


  • Sag bereits bei der Terminvereinbarung, dass du einen Windhund hast.


  • Bitte darum, rassespezifische Referenzwerte zu berücksichtigen.


  • Lass dir auffällige Werte erklären und frage ausdrücklich, ob sie unter Berücksichtigung der Windhund-spezifischen Besonderheiten beurteilt wurden.


  • Bei Unsicherheit kann eine zweite Einschätzung durch einen windhunderfahrenen Tierarzt oder ein spezialisiertes Labor sinnvoll sein.


Windiger Tipp

Einige Labore, zum Beispiel Laboklin, können bei der Interpretation von Laborwerten auf rassespezifische Besonderheiten zurückgreifen. Frag im Zweifel einfach nach, welche Referenzbereiche für deinen Hund verwendet wurden.


4. Wann sind Blutwerte beim Windhund wirklich auffällig?

Natürlich können auch Windhunde krank werden. Ein rassetypischer Wert sollte deshalb niemals dazu führen, echte Veränderungen zu übersehen.

Auffällig können beispielsweise sein:


  • Anämie → zu niedrige rote Blutwerte bzw. ein für den individuellen Hund deutlich zu niedriger Hämatokrit, insbesondere zusammen mit Symptomen wie Leistungsschwäche oder blassen Schleimhäuten


  • Entzündungen → deutliche Veränderungen der Leukozyten und des Differentialblutbildes


  • Leber- oder Nierenerkrankungen → anhaltende Veränderungen von Enzymen, Kreatinin und weiteren relevanten Parametern


  • Infektionen wie Leishmaniose oder Ehrlichiose → Veränderungen von Blutbild, Eiweißwerten oder anderen Laborparametern


Gerade bei Galgos und anderen Windhunden aus dem Tierschutz sollten mögliche Mittelmeerkrankheiten bei entsprechenden Symptomen oder Vorgeschichte berücksichtigt werden.


5. Blutbild beim Windhund: Keine Panik, aber genau hinschauen

Windhunde sind physiologisch in mancher Hinsicht anders als viele andere Hunderassen. Das zeigt sich auch im Blutbild. Ein hoher Hämatokrit, hohe Erythrozytenwerte oder niedrige Thrombozyten und Leukozyten können bei einem gesunden Windhund durchaus zum normalen Rassebild gehören.

Entscheidend ist deshalb nicht der rote Warnhinweis auf dem Laborzettel allein, sondern die Gesamtbeurteilung des Hundes mit passenden Referenzwerten.

Das gilt übrigens auch für die Narkose beim Windhund. Warum Windhunde bei einer Narkose besondere Aufmerksamkeit benötigen und was dabei wichtig ist, erfährst du hier im Beitrag zur Narkose beim Windhund (Weiterleitung auf eine andere Webseite).



Weiterführende Informationen zu Windhund-Blutwerten

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest:

Und falls du mit deinem Windhund im Hamburger Raum unterwegs bist: Auf meiner Website findest du Informationen zur spezialisierten Windhundbetreuung und zum Gassiservice für Windhunde.

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